Das
innerste Versteck
Zum ersten Mal sah Herbert das Objekt von hinten. Erst
jetzt fiel ihm auf, daß er es immer nur an der ihm zugekehrten
Seite verändert hatte. Während er also um das Gebilde
herumging, form-te er es von allen Seiten. Im Laufe
dieses Prozesses intensivierte sich auch in ihm das
Erleben dieser Verformung, denn während anfangs sein
Tun vom Verstand geleitet wurde, erfuhr er jetzt die
Veränderungen an sich selbst, noch bevor sie an dem
Landschafts-fragment erfolgte. Schließlich war es soweit
gekommen, daß nur mehr sein Körper das Aussehen des
Objektes bestimmte, indem er die ideale Form zu
erfühlen suchte.
Herbert stellte auch fest, daß immer mehr Teile sich
einer Veränderung verweigerten. Er schloß daraus, daß
diese fertig waren und sich
deshalb seinem Zugriff entzogen. So widmete er sich
den verbliebenen Partien, und plötzlich spürte er, daß
die Form endgültig geworden war.
In diesem Moment erfüllte seinen Körper eine noch nie
gekannte Harmonie, und für einige Zeit genoß er dieses
Gefühl. Es wurde ihm klar, daß er diesen Zustand
niemals mehr aufgeben wollte.
Herbert war zwar ein ganz klein wenig enttäuscht. Jetzt
würde er nichts mehr suchen, er war also am Ziel. Doch
es fiel ihm leicht, sich mit der Unabänderlichkeit seiner
Lage abzufinden. Hätte er vielleicht wieder hinausgehen
sollen, um sich aufs Neue mit dem Draußen herumzuschlagen?
Nicht einmal mehr ins Wohnzimmer wollte er, weil er
fürchtete, etwas zu verlieren, dessen er nicht
mehr habhaft werden konnte. Allerdings störte ihn jetzt
auf einmal das Gebilde vor seinen Augen, denn es kam
ihm vor, als ob er mit sich selbst in einem Raum wäre.
So sah er sich nach einer Möglichkeit um, wie er auch
diesem letzten Mißton entfliehen konnte.
Sein Blick fiel auf den Schrank mit seinen weit geöffneten
Türen. Entschlossen ging er darauf zu und begab sich
in dessen Inneres. Wie von selbst schlossen sich die
Schranktüren, bis nur mehr ein seltsames, formloses
Gebilde in der Mitte des Zimmers an Herbert Krug erinnerte.