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70er
Jahre


Raum der Besinnung

Herbert rückte seinen Stuhl so zurecht, daß er der Türöffnung gegenübersaß, und blickte in den immer heller werdenden Neben-raum. Ihm kam es vor, als würden sich die Umrisse des Durch-ganges so zu einer Harmonie verschieben, daß ein Rahmen für den dahinterliegenden Teil des Raumes entstand. Das Licht hatte jetzt einen bläulichen Stich angenommen und erschien ihm als Himmel. Mitten im Zimmer bemerkte er ein Objekt, ähnlich den Sujets 
seiner Bilder. Noch war es als Landschaftsfragment im diffusen Licht schwer zu erkennen, doch er zweifelte nicht an seinem Vorhandensein. Natürlich konnte das alles auch nur Einbildung sein, aber irgendwie fühlte er, daß dem nicht so war. Herbert  konnte sich nicht erklären, wie dieses Gebilde dahin gekommen war. So stellte er sich die Frage, ob er es vielleicht gewesen sein könnte, der dem von ihm Gedachten Form verliehen hatte.
Während ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, gewann das Gebilde immer mehr an Kontur. Um Gewißheit über das Objekt zu erlangen, versuchte Herbert es mit seiner Vorstellungskraft zu verändern. Tatsächlich gelang ihm dies, aber gleich darauf packte ihn wieder Zweifel, denn auch diesem Vorgang konnte eine Selbst- täuschung zugrunde liegen. Umgekehrt wäre es einfacher gewesen. Denn hätte sich nichts verändert, so wäre es klar gewesen, daß dort ein Objekt lag, auf das er keinen Einfluß hatte. So war es aber entweder ein Trugbild seiner Sinne oder doch ein veränderbares, körperhaftes Produkt seiner Schaffenskraft.
Noch wagte er es nicht, den Sachverhalt zu überprüfen. Außerdem war er viel zu begierig darauf, die Auswirkungen seiner Gedanken- spiele auf das Objekt zu beobachten. Er versuchte Verschiedenes, und immer folgte die Form seinen geistigen Befehlen. Mit der Zeit spürte Herbert, daß er die Veränderungen,  die er mit der Kraft seiner Vorstellung an dem Gebilde ausführte, zugleich an seinem Körper wahrnahm. Er glaubte plötzlich, selbst wie Fels, Hügel oder Baum zu fühlen. Zuallererst erschrak er über diese Tatsache, doch als er an sich hinunterblickte und feststellte, daß er noch immer aussah wie früher, kehrte wieder Ruhe in ihn ein, so daß er sein Experiment fortsetzte. Immer mehr gelang es ihm, wie Landschaft zu fühlen, und als er meinte, die Situation zu beherrschen, stand er auf, um das Gebilde aus der Nähe zu betrachten.

  

Raum der Besinnung    Farbrad. 1985     24,5 x 31,4 cm

80er
Jahre

90er
Jahre

ab
2000
Abstrakte Bilder
die grafischen Zyklen