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70er
Jahre


Die Spur der Erinnerung

Erleichterung machte sich in Herbert Krug breit, nachdem er die Tür geschlossen hatte. Sicher, sie stellte einen gewissen Schutz vor dem Draußen dar, doch gleichzeitig erkannte er, daß es dessen gar nicht bedurft hätte. In ihm war der Wechsel jetzt voll-zogen; aus sich selbst mußte er in Zukunft alles schöpfen können. Diese Tatsache wurde ihm mit einem Schlag bewußt, und sie erfüllte ihn mit Neugier. Er kam sich vor, wie sein eigener, nur wissenschaftlich interessierter Beobachter, der weniger dem Inhalt seines Denkens die Aufmerksamkeit zu widmen haben wird, sondern seinen Handlungen, die nunmehr erfolgen würden.
Herbert merkte, daß ihn die Beschäftigung mit dieser Entwicklung zu überfordern drohte. Deshalb zwang er sich dazu, den Gedankengang abzubrechen und ins Wohnzimmer zu gehen. Dort setzte er sich zuerst einmal. Sein Blick fiel sogleich auf sein letztes Werk, das noch nicht ganz fertig war und der Vollendung harrte. In seiner Vorstellung probierte er dieses und jenes, um die Arbeit fortzusetzen, doch die Erinnerung daran, wie alles begonnen hatte, machte diese Absicht zunichte.
Beruflich hatte es Herbert schon vor einiger Zeit zum Assistenten gebracht und somit jene Stufe erreicht, die seinem Wissen und seinem Alter entsprach. Ein weiterer Aufstieg schien ihm aller-dings sehr fraglich, und er scheute auch die damit auf ihn zu-kommenden Anstrengungen. Deshalb erfüllte er die an ihn heran-getragenen Aufgaben mit einer Mischung aus Routine und Aus-dauer, wie sie alle von Herbert erwarteten, die ihn kannten. Es
war nicht so, daß ihn die Arbeit nicht interessiert hätte, doch er verringerte schrittweise ihren Stellenwert in seinem Leben. In      dieser Zeit hatte Herbert begonnen zu malen. Anfangs war es lediglich Ausgleich und Zeitvertreib, doch schon nach wenigen Wochen merkte er, welche Bedeutung dieses Tun für ihn erhielt.   Er beschloß, seine Bilder keinem anderen zu zeigen. Vor allem scheute er die Offenlegung seiner Gefühle; er wollte aber auch niemanden als Schmarotzer an seinem Werk teilhaben lassen.
Mit großer Freude betrachtete er seine Bilder, die auch in ihrem Nebeneinander Harmonie ausstrahlten. Dabei geschah es, daß Herberts Blick schließlich an dem Durchgang zum Nebenraum hängenblieb. Darin hatte sich ein seltsames, diffuses Licht ausgebreitet, von dem er vorerst nicht sagen konnte, woher es     kam und was es bedeuten sollte.
  

Die Spur der Erinnerung    Farbrad. 1985     24,5 x 31,4 cm

80er
Jahre

90er
Jahre

ab
2000
Abstrakte Bilder
die grafischen Zyklen